Während in Leipzig die Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften laufen, sind die der Mehrkämpfer[1]bereits passé. Ich konnte meinen Titel als Deutscher Meister verteidigen. Dies hatten viele erwartet, ist aber natürlich kein Selbstläufer. Die Konkurrenz ist groß und insbesondere im Mehrkampf kann man nie vorhersehen, was im Laufe des Wettkampfs passiert. 

In den kommenden Wochen und Monaten will ich euch auf meinem Weg Richtung Olympische Spiele/Europameisterschaften mitnehmen und Einblick in meine Denk- und Handlungsweisen geben. Viele Aspekte die wir Athleten in unseren Sportlerkarrieren erleben, sind nicht nur für unsere Zeit als Sportler relevant, sondern wirken in gewisser Weise wie eine Schule des Lebens. 

Begleitet mich also gerne und lasst uns mit dem Thema „Druck“ beginnen.

© Iris Hensel

Als Titelverteidiger, der ich bei den diesjährigen Deutschen Hallenmeisterschaften war, steht man besonders im Fokus der Öffentlichkeit und Berichterstattung. Für mich war dies eine neue Situation, die selbstredend natürlich Druck mit sich gebracht hat. Druck der von Außen kam, aber auch Druck, den ich mir selbst gemacht habe. Hinzukommt, dass wir in einem olympischen Jahr sind. Sowohl die Erfüllung der Qualifikationsnormen als auch der Ausblick auf eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen erhöht maßgeblich die Aufmerksamkeit und damit den Druck auf jeden einzelnen Athleten. Die Teilnahme und ein möglichst erfolgreiches Abschneiden können die gesamte zukünftige Karriere stark beeinflussen und erhöhen den Druck nochmals um ein Vielfaches. Mit den Olympischen Spielen steht damit für einen Athleten wie mich natürlich viel auf dem Spiel. Für mich waren die Deutschen Hallenmeisterschaften und die Titelverteidigung somit ein erster wichtiger Schritt und wegweisend Richtung Tokio.

„Fokus verschieben, um Lust auf die Herausforderung zu haben“

Druck haben wir alle – ob Sportler oder nicht. Jeder hat im Alltag Druck. Aber wie geht man damit um? Wie gelingt es, zum Zeitpunkt X die beste Leistung abzurufen – und den Druck zu regulieren? Meine Herangehensweise war ´Fokusverschiebung´ und eine möglichst gute Vorbereitung auf die Situationen im Wettkampf, um meinen Autopiloten die Grundlage für eine gute Leistung schaffen zu lassen. Wie bin ich also der Herausforderung begegnet? Ja, ich war Titelverteidiger und hatte somit etwas zu verteidigen und somit auch etwas zu verlieren. Die Kehrseite? Ich hatte auch etwas zu gewinnen: Ich wollte den deutschen Rekord der U-23 verbessern, neuer Rekordhalter werden. Ich habe deshalb in meiner Vorbereitung mental viel daran gearbeitet, meine Gedanken in diese Richtung zu steuern – weg vom Druck des Verlieren-Könnens, hin zum etwas Erreichen-Könnens. Für mich als Athlet ein riesiger Unterschied in der Herangehensweise, um Leistung auf den Punkt abrufen zu können.

© Iris Hensel

Die Fähigkeit der ´Fokusverschiebung´ ist eine Ressource, die jeder in sich hat und durch gezieltes Üben für sich anwenden kann. Ressourcen benötigen wir Athleten, aber auch jeder andere, um Herausforderungen, die zu bewältigen sind, zu meistern. Für mich übrigens ein spannender Aspekt meines Athletenlebens: Die Parallelen Alltag/Sport oder Business/Sport zu sehen und anderen nahe zu bringen. 

„Von Athleten lernen, um Ziele zu erreichen“

In meiner Zusammenarbeit mit Patparius tun wir genau dies: Wir suchen die Parallelen im Denken und Handeln von Spitzensportlern und Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft, um einen Wissenstransfer in die Unternehmen zu leisten. Sowohl wir Sportler können viel aus dem Wirtschaftsleben lernen, aber in gleicher Weise können Führungskräfte aus Unternehmen von unseren Denk- und Handlungsweisen lernen, um besser zu werden – und auch mit Druck umzugehen.

SAHRPI[2] ist beispielsweise aus der Arbeit mit Spitzensportlern entstanden. Es ist eine Annäherung an die Parallelen Sport/Business und gleichzeitig ein Konzept, um erfolgreich Herausforderungen im Alltag zu meistern. Der Umgang mit Druck bzw. was es dafür benötigt, sind Ressourcen – einer von sechs Prozessschritten in der Vorbereitung auf Herausforderungen[3] auch in SAHRPI. 

Für mich als Athlet ist die Vorbereitung auf den Wettkampf essenziell. Wenn die Vorbereitung gelungen ist, kann ich im Wettkampf auf Autopilot schalten und meine beste Leistung – sozusagen auf Knopfdruck – abrufen. Gemeinsam mit Patparius werde ich euch anhand von SAHRPI in den kommenden Wochen und Monaten Parallelen aufzeigen und vielleicht auch ein wenig Motivation, Inspiration und Struktur geben, eure persönlichen Olympische Spiele/Ziele genauso konsequent zu verfolgen wie wir Athleten dies tun. 

Bis bald.


[1] Der besseren Lesbarkeit halber haben wir auf die weibliche Form Mehrkämpferin, Athletin bzw. Sportlerin verzichtet. Ich selbst bin ein Athlet und habe deshalb die männliche Form bevorzugt.

[2] Ein Konzept bestehend aus sechs Prozessschritten. Jeder Buchstabe steht für einen zu klärenden Aspekt, der die Bewältigung von persönlichen Herausforderungen unterstützt. ´S´ steht für Sense/Purpose (im Sinne von: Welchen Sinn macht das Ganze für mich?), ´A´ für Aim (Wie sehen ganz konkret meine Ziele aus?), ´H´ für Hurdles (Welche Hürden muss ich meistern?), ´R´ für Resources (Auf welche Ressourcen kann ich zurückgreifen?), ´P´ für Plan (Wie sieht ganz konkret mein Plan aus?), ´I´ für Incentive (Mit was belohne ich mich für meine Anstrengung?).

[3] Mein Weg in den kommenden Wochen führt gewissermaßen durch diese Schritte und stellt exemplarisch die Möglichkeit der Anwendung dar.

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