Indem man sich zehn Jahre in der Hauptsache mit einer Disziplin befasst, ist es wenig erstaunlich, dass man weniger Wissen in anderen Disziplinen hat. Aber warum nicht das Wissen aus Disziplin A in Disziplin B einsetzen? Ein Fußballprofi, wie Nils Petersen vom SC Freiburg beispielsweise, der Erfahrungen auf dem höchsten Niveau gesammelt hat, unter anderem im Olympischen Finale in Rio 2016 stand und als Profi beim FC Bayern München unter Vertrag war, hat Fähigkeiten und Kenntnisse durch seine tägliche Arbeit erlangt, die für andere Disziplinen/(Fach-)Bereiche sehr wertvoll sein können. Das Dilemma vieler Spitzensportler ist allerdings, dass ihnen nicht bewusst ist, welchen Schatz an Knowhow sie besitzen. Hinzu kommt, dass ihnen sehr oft nicht klar ist, wie sie dieses Knowhow praktisch nutzbar machen und in andere Bereiche außerhalb des Sports übertragen können.

Fast zeitgleich zu Nils Petersens vielbeachtetem Interview im FOCUS publiziert die FAZ Interviews mit Niko Kovac, einem ehemaligen Fußballprofi und heutigem Trainer des Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Billie Jean King, einer der Vorreiterinnen des heutigen Spitzen-Damentennis. In diesen beiden Interviews kommen die Skills, die sich Spitzensportler durch ihren Sport während ihrer Laufbahn aneignen, sehr gut zum Ausdruck (siehe u. s. Links). In Kings Aussage zum Beispiel, „Sport ist ein Mikrokosmos, ein Abbild des großen Ganzen. Durch ihn lernen wir Rebellion, Teamwork und Durchsetzungskraft. Als Sportler wirst du zu einem besseren Menschen, zu einem Champion des Lebens.“ ist schon vieles enthalten, jedoch noch lange nicht alles, was sich Athleten im Laufe ihrer Sportkarrieren für ihren weiteren Weg (auch außerhalb des Sports) erarbeiten.

Was lernen nun Spitzensportler während ihrer Laufbahnen? Im Folgenden zusammengefasst Kompetenzen, die sich bei Spitzensportlern durch ihren Sport entwickeln, die unter anderem auch für Unternehmen und Organisationen sehr relevant sind. Diese unten aufgeführten Punkte finden sich allesamt beispielhaft in den Interviews von Billie Jean King und Niko Kovac.

  1. Strategiekompetenz, d. h. sich auf bestehende Situationen einstellen und Strategien entwickeln, um anderen einen Schritt voraus sein zu können.
  2. Frustrationstoleranz, d. h. lernen mit Sieg/Freude und Niederlage/Schmerz umzugehen.
  3. Fehlertoleranz, d. h. Fehler nicht als Super-Gau zu begreifen, sondern den Fehler als Teil des „Besserwerdens“ zu verstehen, um den Blick auf die nächste Herausforderung zu richten.
  4. Lern- und Entwicklungsdrang, d. h. vor allem durch die ständige persönliche Weiterentwicklung können Erfolge gefeiert werden.
  5. Interkulturelle Handlungskompetenz, d. h. durch den täglichen Umgang mit KollegInnen aus anderen Kulturen werden eigene Handlungen vielfältiger und die Bereitschaft mit Neuem umzugehen größer.
  6. Führungskompetenz, d. h. Führung entscheidet über den Erfolg eines Teams, wobei eine wertschätzende Haltung eine bedeutende Grundlage für das Gelingen darstellt.
  7. Teamfähigkeit, d. h. „Ich weiß, jeder (Fußballer) ist ichbezogen, als Trainer (Führungskraft) muss man aber darauf achten, an das Du zu denken und das Wir zu fördern.“ (Niko Kovac) – das Wir entscheidet am Ende über Sieg oder Niederlage.
  8. Interdisziplinäre Offenheit, d. h. Experten aus anderen Bereichen mit einzubinden, um sich insgesamt zu verbessern.
  9. Leistung auf den Punkt, d. h. in der Lage zu sein, dann Spitzenleistung zu erbringen, wenn der Druck am größten ist, dann wenn es darauf ankommt, Bestleistung zu erbringen.
  10. Akzeptanz von Regeln und Werten, d. h. Spielregeln und bestehende Werte werden respektiert und man sucht im bestehenden System nach den besten Lösungen – ohne das Thema Doping verschweigen/kleinschreiben zu wollen.

Die oben stehende Liste ist selbstverständlich nicht abschließend. Es gibt weitere Kompetenzen, die während Sportkarrieren erlernt werden und in anderen Kontexten wertvoll sein können. Es ist grundsätzlich wichtig zu erkennen, dass Fähigkeiten und Kenntnisse aus einem speziellen Bereich durch die Erweiterung der Perspektive auch einen hohen Wert für andere Bereiche haben können. Entscheidend ist, konkret herauszuarbeiten welche Kompetenzen man sich erarbeitet hat, diese in ein „Big Picture“ zu setzen und Tools zur Verfügung zu haben, die Kompetenzen in einem anderen Kontext einzusetzen.

Links:
Petersen über geistiges Niveau im Fußball: „Ich verblöde seit zehn Jahren“
Niko Kovac im Gespräch: „Die Spieler sind meine Freunde“
Billie Jean King im Gespräch: „Merkel ist ein Vorbild für alle“

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